Ladevorgang...
Bei der WM 2022 in Katar wettete fast niemand auf Marokko im Halbfinale. Die Quoten auf die Atlas-Löwen lagen vor dem Turnier jenseits von 100.00 — und doch standen sie plötzlich unter den letzten Vier, nachdem sie Belgien, Spanien und Portugal aus dem Weg geräumt hatten. Ich erzähle das nicht als Kuriosität, sondern als Warnung: WM-Prognosen für 2026 sind notwendige Werkzeuge, aber keine Garantien. Sie helfen, die Wahrscheinlichkeiten zu ordnen, den Blick zu schärfen und Wetten mit besserem Wert zu finden. Doch jedes Turnier schreibt mindestens eine Geschichte, die kein Modell vorhergesehen hat.
Was folgt, ist mein Versuch, die WM 2026 in drei Szenarien zu denken — vom wahrscheinlichsten bis zum überraschendsten. Dazu eine ehrliche Einschätzung der Gruppenphase, der unterschätzten Teams und der Frage, die ganz Österreich bewegt: Wie weit kommt das ÖFB-Team? Diese WM-2026-Prognosen basieren auf statistischen Modellen, taktischen Analysen und neun Jahren Erfahrung in der Bewertung internationaler Turniere.
Jede Prognose braucht ein Gerüst, und meines besteht aus drei Pfeilern: dem statistischen Modell, der taktischen Analyse und dem, was ich „Turnierinstinkt“ nenne — die schwer messbare Fähigkeit einer Mannschaft, in entscheidenden Momenten die richtigen Dinge zu tun. Auf dieser Basis entwerfe ich drei Szenarien.
Szenario eins — der Favoritensieg: Frankreich gewinnt den Titel. Kylian Mbappé ist der Spieler, der dieses Turnier dominieren kann. Die Tiefe des französischen Kaders ist beispiellos — auf jeder Position gibt es zwei Spieler von Weltklasse-Niveau. Frankreich hat in den letzten drei Turnieren zweimal das Finale erreicht und einmal gewonnen. Das ist kein Zufall, sondern ein System, das Trainer Didier Deschamps über Jahre aufgebaut hat. Selbst wenn Deschamps nicht mehr auf der Bank sitzt, hat sein Nachfolger eine Maschine geerbt, die weiß, wie man Turniere spielt. Die Gruppe I mit Senegal, Norwegen und Irak ist lösbar, und der Turnierweg durch die K.o.-Runde dürfte bis zum Viertelfinale machbar sein. Die Wahrscheinlichkeit dieses Szenarios schätze ich auf rund 18 Prozent — die höchste Einzelwahrscheinlichkeit im Feld.
Szenario zwei — der Geheimfavorit: Spanien überrascht als Turniersieger. La Roja ist das jüngste Topteam des Turniers, angeführt von Lamine Yamal, der mit 18 Jahren bereits zu den besten Spielern der Welt zählt, und Pedri, der das Mittelfeld kontrolliert wie wenige andere. Spanien hat die EM 2024 gewonnen und damit bewiesen, dass diese Generation große Turniere gewinnen kann. Der Stil — intensives Pressing, schnelles Kurzpassspiel, taktische Flexibilität — ist schwer zu verteidigen. Gruppe H mit Uruguay, Saudi-Arabien und Kap Verde fordert Professionalität, aber keine Höchstleistung. Der entscheidende Vorteil Spaniens: Dieses Team verbessert sich von Spiel zu Spiel, weil die jungen Spieler in Turnieren wachsen, statt zu ermüden. Wahrscheinlichkeit: rund 14 Prozent.
Szenario drei — die Sensation: Die USA nutzen den Heimvorteil. Kein Gastgeber hat jemals eine WM mit 48 Teams ausgerichtet, und der Faktor Publikum wird in elf ausverkauften Stadien eine Wucht entfalten, die sich in keinem Modell vollständig abbilden lässt. Die US-Nationalmannschaft hat sich in den letzten Jahren kontinuierlich verbessert, mit Spielern wie Christian Pulisic, Weston McKennie und Giovanni Reyna in europäischen Topligen. Die Gruppe D mit Australien, Paraguay und der Türkei ist die leichteste aller Gastgeber-Gruppen. Ein Turnierlauf bis ins Halbfinale oder Finale wäre keine Sensation im klassischen Sinn, aber ein US-Titel würde den Weltfußball auf eine Weise erschüttern, wie es kein anderes Ergebnis könnte. Wahrscheinlichkeit: rund 7 Prozent — niedrig, aber nicht vernachlässigbar.
Was alle drei Szenarien gemeinsam haben: Sie setzen auf Teams mit taktischer Identität, Kadertiefe und Turniererfahrung. Die WM 2026 wird über 39 Tage gespielt — das ist eine Woche länger als Katar 2022. Kondition und Rotation werden entscheidend sein wie nie zuvor.
104 Spiele in der Vorrunde, zwölf Gruppen, und am Ende gehen 32 Teams in die K.o.-Runde: die beiden Erstplatzierten jeder Gruppe plus die acht besten Drittplatzierten. Dieses Format bedeutet, dass mehr als die Hälfte aller Teilnehmer die Gruppenphase überstehen werden — eine grundlegende Veränderung gegenüber früheren Turnieren, bei der nun auch ein schlechtes Auftaktspiel nicht mehr gleichbedeutend mit dem Aus ist.
In Gruppe A eröffnet Mexiko das Turnier am 11. Juni im Estadio Azteca gegen Südafrika. Der Druck auf El Tri als Gastgeber ist enorm, aber Südkorea und Tschechien sind keine Gegner, die Mexiko vor unlösbare Aufgaben stellen. Die Gruppe gilt als eine der ausgeglichensten — jedes Team hat eine realistische Chance auf Platz zwei.
Gruppe C um Brasilien verspricht Spannung, weil Marokko als Halbfinalist von 2022 kein typischer Zweitgesetzter ist. Schottland kehrt nach langer Abwesenheit auf die WM-Bühne zurück und bringt eine leidenschaftliche Fankultur mit, die in den Stadien spürbar sein wird. Haiti als Debütant wird Erfahrung sammeln, aber kaum Punkte holen.
Die Gruppe des Todes? Aus meiner Sicht Gruppe L mit England, Kroatien, Ghana und Panama. England und Kroatien sind beide Titelfavoriten und WM-Halbfinalisten der jüngeren Vergangenheit — einer von beiden könnte bereits in der Vorrunde stolpern, wenn Ghana seine physische Stärke ausspielt. Bei Turnierwetten auf Gruppenerste bietet Kroatien als Zweitsetzter bei Quoten um 3.50 deutlich mehr Wert als England bei 1.60.
Die leichteste Gruppe? Vermutlich Gruppe E um Deutschland mit Côte d’Ivoire, Ecuador und Curaçao. Hier wäre ein deutsches Ausscheiden in der Vorrunde eine Sensation, die den Quotenmarkt sprengen würde. Aber auch Gruppe G um Belgien — mit Iran, Ägypten und Neuseeland — bietet dem Favoriten wenig Widerstand.
Eine Gruppe, die ich besonders aufmerksam verfolge, ist Gruppe F: Die Niederlande treffen auf Japan, Tunesien und Schweden. Japan hat bei den letzten beiden Weltmeisterschaften bewiesen, dass es europäische Großmächte schlagen kann — das 2:1 gegen Deutschland in Katar und das 2:1 gegen Spanien waren keine Zufälle. Schweden, das sich über den Playoff-Sieg gegen Polen qualifiziert hat, bringt die Physis und Mentalität eines Teams mit, das nichts zu verlieren hat. Diese Gruppe könnte die meisten Überraschungen produzieren.
Gruppe H verdient ebenfalls Beachtung: Spanien gegen Uruguay ist ein Duell zweier taktisch ausgereifter Mannschaften, die in der Vergangenheit regelmäßig WM-Geschichte geschrieben haben. Uruguay erreichte 2010 das Halbfinale und hat mit einer neuen Generation den Anschluss an die Weltspitze gehalten. Saudi-Arabien, das bei der WM 2022 Argentinien in der Gruppenphase besiegte, wird auch diesmal für eine Überraschung gut sein. Der Quotenmarkt behandelt Kap Verde als klaren Außenseiter, aber der WM-Debütant hat in der afrikanischen Qualifikation mehrfach gezeigt, dass er defensiv stabil auftreten kann.
Für die Wettmärkte der Gruppenphase gilt eine einfache Regel: Die größten Quotenverschiebungen passieren nach dem ersten Spieltag. Wenn ein Favorit sein Auftaktspiel verliert, explodieren die Quoten auf das Weiterkommen nach oben — und genau dort entstehen die besten Gelegenheiten für aufmerksame Wetter. Ich halte deshalb immer einen Teil meines Budgets für die Phase nach Spieltag eins zurück.
Wer bei einer WM nur auf die üblichen Verdächtigen schaut, verpasst die besten Geschichten — und oft auch die besten Quoten. Ein Dark Horse ist kein Zufallsprodukt. Es ist ein Team, dessen Stärke der breite Markt systematisch unterschätzt, weil die Liga seiner Spieler weniger prominent ist, weil die Medienaufmerksamkeit fehlt oder weil ein historisches Stigma den Blick trübt.
Mein erster Kandidat ist die Türkei. Hakan Çalhanoğlu und Arda Güler bilden eine Achse aus Erfahrung und Jugend, die bei der EM 2024 bereits aufblitzte. Die Türkei hat sich über den Playoff-Weg qualifiziert — ein 1:0 gegen Kosovo — und steht in Gruppe D mit den USA, Australien und Paraguay. Das ist eine Gruppe, in der taktische Disziplin und Intensität mehr zählen als individuelles Talent, und genau das sind türkische Stärken. Die Quoten auf ein türkisches Achtelfinale liegen bei 2.50 — ein Wert, der angesichts der Gruppenstruktur zu hoch erscheint.
Japan ist mein zweiter Favorit für eine Überraschung. Die Samurai Blue haben bei den letzten beiden Weltmeisterschaften in der Gruppenphase Deutschland und Spanien besiegt — das ist kein Ausrutscher mehr, sondern ein Muster. In Gruppe F treffen sie auf die Niederlande, Tunesien und Schweden. Die Intensität des japanischen Pressings, kombiniert mit technisch herausragenden Spielern in europäischen Topligen, macht dieses Team für jeden Gegner unangenehm.
Und dann ist da Senegal. In Gruppe I mit Frankreich, Norwegen und Irak bringt das westafrikanische Team eine physische Präsenz und eine taktische Reife mit, die seit dem Africa-Cup-Sieg 2022 gewachsen ist. Der Markt tendiert dazu, afrikanische Teams zu unterschätzen, weil die Datengrundlage aus den afrikanischen Ligen dünner ist — ein systematischer Fehler, der bei Turnieren regelmäßig bestraft wird.
Was alle drei Dark Horses verbindet: Sie verfügen über Spieler in europäischen Topligen, die auf höchstem Niveau Woche für Woche abliefern, aber die Medienaufmerksamkeit konzentriert sich auf die traditionellen Großmächte. In Wettkategorien wie „Team erreicht das Viertelfinale“ bieten diese Mannschaften deshalb oft den besten Wert im gesamten Turnier. Bei der WM 2022 lag die Quote auf ein marokkanisches Viertelfinale bei 8.00 — wer gesetzt hatte, wurde fürstlich belohnt.
Neun Jahre Arbeit mit Quotenmodellen und taktischer Analyse — und doch ist die Frage nach Österreichs Abschneiden bei der WM 2026 die einzige, bei der mein Kopf und mein Herz nicht immer einig sind. Ich versuche es trotzdem sachlich, soweit das bei der ersten WM-Teilnahme des ÖFB-Teams seit 1998 möglich ist.
Gruppe J — Argentinien, Algerien, Jordanien — ist machbar. Der Auftakt gegen Jordanien am 17. Juni in Santa Clara ist die Pflichtaufgabe: Jordanien ist WM-Debütant, und Rangnicks Pressing-System sollte gegen ein defensiv orientiertes Team Räume finden. Ein Sieg mit zwei Toren Unterschied ist das realistische Ziel und würde die Tordifferenz für den weiteren Verlauf stärken.
Das Spiel gegen Argentinien am 22. Juni in Dallas ist das Highlight, aber nicht das entscheidende Spiel. Klingt paradox, ist es aber nicht: Auch eine Niederlage gegen den Titelverteidiger muss kein Problem sein, solange sie knapp ausfällt. Ein 0:1 oder 1:2 hält alle Optionen offen. Entscheidend ist Spieltag drei: Algerien gegen Österreich am 28. Juni in Kansas City. Dieses Spiel wird aller Voraussicht nach über Platz zwei entscheiden. Algerien ist ein Team mit schnellen Außenspielern und einer soliden Defensive — genau die Art von Gegner, gegen die Rangnicks 4-2-3-1-System mit Christoph Baumgartner und Konrad Laimer auf den Halbpositionen seine Stärken ausspielen kann.
Mein Szenario: Österreich wird die Gruppenphase als Zweiter überstehen und in der K.o.-Runde der 32 auf einen Gruppenersten treffen. Je nach Konstellation könnte das ein Team wie die Niederlande, Belgien oder ein Gastgeber sein. Ein Sieg im Achtelfinale der 32 ist realistisch — Rangnicks System ist auf genau diese Spiele ausgelegt, in denen Intensität und taktische Disziplin über 90 Minuten den Unterschied machen. Danach — in der Runde der 16, die dem früheren Achtelfinale entspricht — wird die Luft dünn. Aber ein Team, das Marcel Sabitzer, Marko Arnautović und Nicolas Seiwald in seinen Reihen hat, muss sich vor niemandem verstecken. Im besten Fall erreicht Österreich das Viertelfinale — ein Ergebnis, das den gesamten österreichischen Fußball für ein Jahrzehnt prägen würde. Im schlechtesten Fall endet das Abenteuer nach der Gruppenphase auf Platz drei, wobei selbst dann die Chance besteht, als einer der acht besten Dritten weiterzukommen.
Die WM-2026-Prognosen, die ich hier entwerfe, sind Werkzeuge — keine Prophezeiungen. Sie helfen, den Markt zu lesen, Wetten mit besserem Wert zu finden und mit realistischen Erwartungen in das Turnier zu gehen. Was dann auf dem Rasen passiert, entzieht sich jeder Vorhersage — und genau das macht eine Weltmeisterschaft zu dem, was sie ist. Wer die Grundlagen der WM-Sportwetten vertiefen will, findet dort den Rahmen für die Umsetzung dieser Prognosen in konkrete Wettentscheidungen.
Argentinien und Frankreich führen die Quotenlisten an, dicht gefolgt von England, Brasilien und Spanien. Statistisch gesehen verteilt sich die Wahrscheinlichkeit auf mehrere Teams — kein einzelnes Team hat eine Chance von mehr als 20 Prozent.
Die Chancen stehen solide: In Gruppe J mit Argentinien, Algerien und Jordanien ist Platz zwei das realistische Ziel. Im neuen Format kommen auch die acht besten Drittplatzierten weiter, was Österreich ein zusätzliches Sicherheitsnetz bietet.