Ladevorgang...
48 Mannschaften. 48 Geschichten. 48 Träume, die sich zwischen dem 11. Juni und dem 19. Juli 2026 erfüllen oder zerbrechen werden. Noch nie in der Geschichte des Fußballs standen so viele Nationalteams auf der größten Bühne des Sports. Vom fünfmaligen Weltmeister Brasilien bis zum Debütanten Curaçao, von der Fußballgroßmacht Frankreich bis zum Inselstaat Kap Verde — das Teilnehmerfeld der WM 2026 spiegelt die ganze Bandbreite des Weltfußballs wider.
In meiner Arbeit als Sportwetten-Analyst habe ich die Qualifikationsrunden aller sechs Kontinentalverbände verfolgt, Kader studiert, taktische Systeme verglichen und Formkurven gezeichnet. Was ich hier zusammenstelle, ist das Ergebnis dieser monatelangen Arbeit: ein Porträt aller 48 Teilnehmer, geordnet von den Favoriten über die Geheimtipps bis zu den Debütanten und Außenseitern. Nicht jede Mannschaft bekommt gleich viel Raum — das wäre bei 48 Teams weder möglich noch sinnvoll. Aber jede bekommt den Respekt, den sie verdient, denn jede hat einen Grund, warum sie hier steht. Von den Titelfavoriten bis zu den Debütanten, die zum ersten Mal WM-Luft atmen — hier ist das komplette Bild.
Sechs Mannschaften teilen sich die kürzesten Quoten auf den Turniersieg, und jede von ihnen hat eine legitime Argumentation, warum der Pokal am 19. Juli nach Hause gehen sollte. Ich beginne dort, wo das Turnier am emotionalsten wird: beim Titelverteidiger.
Argentinien kommt als amtierender Weltmeister nach Nordamerika. Der Triumph von Katar 2022 hat dem argentinischen Fußball eine Aura verliehen, die weit über die sportliche Leistung hinausgeht. Die Frage, die dieses Turnier beantworten muss: Kann Argentinien ohne die Dominanz eines Lionel Messi in absoluter Topform bestehen? Messi ist 38 Jahre alt, und seine Rolle hat sich verschoben — vom zentralen Spielmacher zum strategischen Impulsgeber. Trainer Lionel Scaloni hat in den vergangenen zwei Jahren die Post-Messi-Ära eingeleitet, ohne sie so zu nennen. Spieler wie Julián Álvarez, Enzo Fernández und Alexis Mac Allister tragen jetzt die offensive Last. In Gruppe J — Österreichs Gruppe — wird Argentinien als klarer Favorit ins Rennen gehen, aber die Titelverteidigung ist ein anderes Kaliber als die Gruppenphase.
Frankreich ist für viele Analysten der stärkste Kandidat auf den Pokal. Kylian Mbappé, mit 27 Jahren im besten Fußballeralter, führt eine Mannschaft an, die auf nahezu jeder Position Weltklasse besetzt ist. Das Finale von Katar 2022, in dem Mbappé einen Hattrick erzielte und trotzdem verlor, brennt noch immer. Frankreich hat unter Didier Deschamps — oder dessen Nachfolger, falls der Trainerwechsel bis zum Turnier vollzogen wird — eine Mischung aus Erfahrung und Jugend, die nur wenige Teams bieten können. In Gruppe I mit Senegal, Norwegen und dem Irak sollte der Weg ins Achtelfinale kein Problem sein.
England trägt die Last von 60 Jahren ohne WM-Titel. Seit 1966 wartet das Mutterland des Fußballs auf die Erlösung, und die aktuelle Generation um Jude Bellingham, Bukayo Saka und Phil Foden ist die talentierteste seit Jahrzehnten. Bellingham, mit 22 Jahren bereits der beste Mittelfeldspieler der Welt, hat bei Real Madrid bewiesen, dass er auf der größten Bühne glänzt. England in Gruppe L mit Kroatien, Ghana und Panama — eine machbare Gruppe, aber das Duell England gegen Kroatien ist eine Neuauflage des WM-Halbfinales von 2018 und wird für Hochspannung sorgen.
Brasilien hungert nach dem sechsten Stern. 24 Jahre ohne WM-Titel sind für eine Fußballnation dieses Kalibers eine Ewigkeit. Die neue Generation um Vinícius Júnior, Rodrygo und den jungen Endrick hat die technische Brillanz der großen brasilianischen Teams, aber die CONMEBOL-Qualifikation war alles andere als ein Spaziergang. In Gruppe C mit Marokko, Schottland und Haiti wird Brasilien dominieren, doch die K.o.-Runde ist erfahrungsgemäß der Ort, an dem brasilianische Mannschaften entweder brillieren oder zerbrechen.
Spanien hat den Generationswechsel vollzogen. Die Ära von Tiki-Taka ist Geschichte, aber das neue Spanien um Lamine Yamal — der bei Turnierbeginn gerade 18 Jahre alt sein wird —, Pedri und Gavi ist offensiver, direkter und unberechenbarer als jede spanische Mannschaft der vergangenen Dekade. Der Triumph bei der EM 2024, wo Spanien mit einer der jüngsten Mannschaften des Turniers den Titel holte, hat gezeigt, dass Jugend kein Nachteil sein muss. In Gruppe H trifft Spanien auf Uruguay, Saudi-Arabien und Kap Verde.

Deutschland schließlich, der große Nachbar. Nach der emotional mitreißenden Heim-EM 2024 reist das DFB-Team mit neuem Selbstvertrauen nach Nordamerika. Julian Nagelsmanns Mannschaft hat in der Qualifikation gezeigt, dass sie das Zeug zum Titelkandidaten hat, aber der deutsche Fußball trägt auch das Trauma der frühen Ausscheiden bei den WM-Turnieren 2018 und 2022. Florian Wirtz, Jamal Musiala und Kai Havertz bilden ein offensives Dreieck, das jeden Gegner in Schwierigkeiten bringen kann. In Gruppe E mit der Elfenbeinküste, Ecuador und Curaçao sollte Deutschland klar durchmarschieren. Die Frage ist, wie weit der Weg danach führt.
Hinter den sechs Topfavoriten lauert eine Gruppe von Mannschaften, die bei dieser WM für die größten Überraschungen sorgen könnten. Das sind keine Außenseiter — das sind Teams mit echten Waffen, die im richtigen Moment zuschlagen können. Und genau dort, in der Lücke zwischen den Favoriten und den Underdogs, liegen die interessantesten Wettoptionen des Turniers.
Die Niederlande sind der ewige Fast-Weltmeister. Drei WM-Finals verloren, keines gewonnen — eine Bilanz, die den niederländischen Fußball seit Jahrzehnten verfolgt. In Gruppe F treffen die Oranjes auf Japan, Tunesien und Schweden. Das klingt machbar, aber Japan ist mittlerweile eine Mannschaft, die auch europäische Topteams schlagen kann — wie bei der WM 2022, als Deutschland und Spanien bezwungen wurden. Die Niederlande haben eine taktisch flexible Mannschaft mit Qualität in der Offensive, aber die Defensive bleibt ein Fragezeichen, das sich in der K.o.-Phase rächen könnte.
Portugal steckt mitten im größten Umbruch seiner Fußballgeschichte. Die Ära Cristiano Ronaldo ist vorbei, und die Generation, die folgt, muss beweisen, dass sie ohne den Jahrhundertspieler bestehen kann. Die Talente sind da: Rafael Leão, João Félix, Bernardo Silva, Bruno Fernandes. Aber die Frage ist, ob ein Team, das jahrelang um einen einzelnen Spieler herum aufgebaut war, eine neue Identität finden kann — in wenigen Monaten, unter dem Druck einer WM. In Gruppe K mit der DR Kongo, Usbekistan und Kolumbien wird Portugal gefordert, denn Kolumbien ist eine Mannschaft mit enormer individueller Klasse.
Belgien lebt den Widerspruch zwischen Talent und Ergebnis. Die goldene Generation um Kevin De Bruyne, Romelu Lukaku und Thibaut Courtois hat bei jeder großen Meisterschaft überzeugt — ohne jemals zu gewinnen. Die WM 2026 könnte die letzte Chance sein, bevor der Alterungsprozess diese Generation endgültig einholt. De Bruyne ist 35, Lukaku 33. Aber Belgien hat auch junge Spieler wie Jérémy Doku, die den Übergang abfedern. In Gruppe G mit Iran, Ägypten und Neuseeland hat Belgien alles in der eigenen Hand.
Kroatien darf in keiner Liste der Geheimfavoriten fehlen. Der Halbfinalist von 2018 und der Dritte von 2022 hat eine DNA des Übertreffens aller Erwartungen. Luka Modrić, mittlerweile 40 Jahre alt, wird sein letztes großes Turnier spielen, und die emotionale Kraft, die von einem solchen Abschied ausgeht, sollte nicht unterschätzt werden. In Gruppe L gegen England, Ghana und Panama steht ein hartes Duell um den Gruppensieg an, aber Kroatien hat in den letzten drei WM-Turnieren bewiesen, dass es große Mannschaften schlagen kann.
Uruguay ist der südamerikanische Geheimtipp, den viele Europäer übersehen. Die Celeste hat in der CONMEBOL-Qualifikation starke Leistungen gezeigt und verfügt über einen Kader, der Erfahrung und Jugend vereint. Darwin Núñez, Federico Valverde und Ronald Araújo sind Spieler, die bei den größten Klubs Europas spielen. In Gruppe H mit Spanien ist die Aufgabe groß, aber Uruguay hat bei Weltmeisterschaften eine Tradition des Über-sich-Hinauswachsens: zwei Titel, ein vierter Platz 2010, ein Viertelfinale 2018.
Und dann ist da Marokko. Der Halbfinalist von 2022, das Team, das bei der WM in Katar den gesamten Kontinent Afrika in Ekstase versetzte. Marokko in Gruppe C mit Brasilien ist eine der spannendsten Konstellationen des Turniers. Ob die Mannschaft von Walid Regragui die Magie von Katar wiederholen kann, wird sich zeigen — aber wer Marokko nach dem letzten Turnier noch unterschätzt, hat nicht aufgepasst.
In meinem Büro hängt eine Karte, auf der ich die drei deutschsprachigen WM-Teilnehmer markiert habe: Österreich in Gruppe J, Deutschland in Gruppe E, die Schweiz in Gruppe B. Drei Nachbarländer, drei verschiedene Ausgangssituationen, drei verschiedene Geschichten. Und für die österreichische Fanbasis ist jede dieser Geschichten relevant — weil wir uns immer auch mit den Nachbarn vergleichen.
Das ÖFB-Team steht vor der vielleicht aufregendsten Herausforderung seiner modernen Geschichte. Seit 1998, als Österreich bei der WM in Frankreich in der Gruppenphase ausschied, hat keine österreichische Mannschaft mehr auf der WM-Bühne gestanden. 28 Jahre Pause — das ist eine ganze Generation von Fans, die ihre Nationalmannschaft nie bei einer Weltmeisterschaft erlebt hat. Ralf Rangnicks Revolution hat das geändert. Sein 4-2-3-1-System, das auf intensives Pressing, schnelles Umschaltspiel und kollektive Disziplin setzt, hat Österreich von einer Mannschaft, die bei der Qualifikation regelmäßig strauchelte, zu einem Team gemacht, das europäische Schwergewichte herausfordern kann.
Marcel Sabitzer, Marko Arnautović, Christoph Baumgartner, Konrad Laimer, Nicolas Seiwald — das sind die Namen, die bei dieser WM im Mittelpunkt stehen werden. Sabitzer als der kreative Kopf im offensiven Mittelfeld, Arnautović als der erfahrene Stürmer, der weiß, wie man auf großer Bühne Tore erzielt, Baumgartner als die Verbindung zwischen Mittelfeld und Angriff. Laimer und Seiwald bilden die Doppelsechs, das Herzstück von Rangnicks System — zwei Spieler, die den Raum kontrollieren und die Pressing-Maschine antreiben. Die ausführliche Analyse des ÖFB-Teams, inklusive Taktik, Kader und Österreichs Weg zurück auf die Weltbühne, habe ich auf einer eigenen Seite aufbereitet.
In Gruppe J trifft Österreich auf Argentinien, Algerien und den WM-Debütanten Jordanien. Die realistische Zielsetzung ist Platz zwei — hinter Argentinien, aber vor Algerien. Das entscheidende Spiel wird das dritte Gruppenspiel gegen Algerien am 28. Juni sein. Wer dieses Duell gewinnt, kommt mit hoher Wahrscheinlichkeit weiter. Aber auch ein dritter Platz ist kein Todesurteil: Bei zwölf Gruppen kommen die acht besten Gruppendritten in die K.o.-Runde. Österreich hat also mehr als eine Chance.
Deutschland reist als einer der Topfavoriten nach Nordamerika, und die Ausgangslage könnte unterschiedlicher kaum sein. Während Österreich jeden Punkt erkämpfen muss, wird vom DFB-Team erwartet, dass es die Gruppenphase dominiert. Julian Nagelsmann hat eine Mannschaft geformt, die bei der Heim-EM 2024 begeistert hat — auch wenn das Turnier für Deutschland im Viertelfinale endete. Die Erfahrung eines Heimturniers, die Reifung junger Spieler wie Musiala und Wirtz, und die taktische Flexibilität, die Nagelsmann mitbringt, machen Deutschland zu einem ernsthaften Titelkandidaten. Aber die Geschichte der deutschen WM-Teilnahmen der letzten Jahre — Vorrunden-Aus 2018, Vorrunden-Aus 2022 — mahnt zur Vorsicht.
Die Schweiz in Gruppe B hat eine klare Aufgabe: als Gruppensieger ins Achtelfinale einziehen. Die Nati, wie das Team in der Schweiz genannt wird, hat bei den letzten Turnieren konstant überzeugt und gehört mittlerweile zur erweiterten europäischen Spitze. Granit Xhaka im Mittelfeld, der Erfahrung und Führung verkörpert, ist das Rückgrat dieser Mannschaft. Die Schweiz trifft auf Kanada, Katar und Bosnien-Herzegowina — eine Gruppe, die machbar ist, aber Tücken birgt, besonders im Spiel gegen das motivierte Bosnien.
Was alle drei deutschsprachigen Mannschaften verbindet: Sie spielen in der mitteleuropäischen Tradition des taktisch geprägten Fußballs, mit starkem Fokus auf Organisation und Kompaktheit. Was sie unterscheidet: der Erwartungsdruck. Deutschland muss liefern, die Schweiz soll konstant bleiben, Österreich darf träumen. Und vielleicht ist genau diese Freiheit des Träumens der größte Vorteil des ÖFB-Teams.
Was passiert mit einer Fußballnation, wenn sie zum ersten Mal in ihrer Geschichte bei einer WM antritt? Ich habe Island 2018 beobachtet, als eine Insel mit 350.000 Einwohnern die Welt verzauberte. Ich habe Katar 2022 gesehen, als ein Gastgeber trotz enormer Investitionen in der Gruppenphase scheiterte. Die WM 2026 bringt eine neue Welle von Debütanten auf die Bühne, und jede dieser Mannschaften wird ihre eigene Antwort auf die Frage finden, was es bedeutet, zum ersten Mal dabei zu sein.
Jordanien in Gruppe J ist für österreichische Fans der wichtigste Debütant. Die Mannschaft, die beim Asien-Cup 2024 bis ins Halbfinale vorstieß, hat sich über die asiatische Qualifikation ihren Platz bei der WM erkämpft. Jordanien spielt einen disziplinierten, defensiv orientierten Fußball, der auf Konterangriffe setzt. Die individuelle Qualität reicht nicht an europäische oder südamerikanische Standards heran, aber die Mannschaft ist schwer zu schlagen, wenn sie sich in ihrer Defensivformation einrichtet. Für Österreich ist das Spiel gegen Jordanien am 17. Juni ein Pflichtsieg — aber die Geschichte lehrt, dass Pflichtsiege bei Weltmeisterschaften die gefährlichsten Spiele sind.
Curaçao in Gruppe E ist der romantischste Debütant des Turniers. Ein karibischer Inselstaat mit rund 150.000 Einwohnern, der auf die Stärke seiner Diaspora-Spieler setzt — viele von ihnen sind in den Niederlanden geboren und aufgewachsen, spielen in der niederländischen Eredivisie oder in der belgischen Liga. In einer Gruppe mit Deutschland, der Elfenbeinküste und Ecuador wird Curaçao voraussichtlich als Letzter abschließen, aber das Erlebnis allein ist ein Triumph für den karibischen Fußball.
Kap Verde, der Inselstaat vor der Westküste Afrikas in Gruppe H, ist eine ähnliche Geschichte. Mit weniger als 600.000 Einwohnern gehört Kap Verde zu den kleinsten Nationen, die je eine WM erreicht haben. Wie Curaçao profitiert Kap Verde von einer starken Diaspora-Gemeinde, insbesondere in Portugal und Frankreich. In der Gruppe mit Spanien und Uruguay wird es sportlich schwer, aber die Mannschaft reist mit dem Wissen an, Geschichte geschrieben zu haben.
Haiti komplettiert die Liste der WM-Neulinge in Gruppe C mit Brasilien. Die karibische Nation hat eine bewegte Fußballgeschichte — 1974 nahm Haiti bereits an einer WM teil, aber die Jahrzehnte danach waren von politischen Krisen und wirtschaftlicher Not geprägt. Die Rückkehr auf die WM-Bühne nach 52 Jahren ist ein Symbol der Resilienz, auch wenn das Spiel gegen Brasilien sportlich eine Übermacht-Begegnung sein wird.
Neben den echten Debütanten gibt es die Rückkehrer — Mannschaften, die nach langer Abwesenheit wieder dabei sind. Die DR Kongo in Gruppe K war zuletzt 1974 unter dem damaligen Namen Zaire bei einer WM vertreten. 52 Jahre sind vergangen, und die kongolesische Mannschaft von heute hat nichts mehr mit dem Team von damals gemein. Der Irak in Gruppe I erlebt seine erste WM seit 1986, als das Land noch unter dem Regime Saddam Husseins stand. Und Usbekistan in Gruppe K ist zum ersten Mal dabei — ein zentralasiatischer Fußball, der lange im Schatten der Großmächte stand.
Was all diese Mannschaften verbindet: Sie werden bei der WM 2026 nicht um den Titel spielen. Aber sie werden Momente schaffen, die in ihren Ländern für Generationen in Erinnerung bleiben. Und für die Wettmärkte bieten sie eine besondere Herausforderung: Debütanten sind schwer einzuschätzen, weil es keine WM-Referenzen gibt. Die Quoten spiegeln das wider — sie sind oft großzügiger, als sie sein müssten, was für aufmerksame Wetter Chancen eröffnet.
Wenn Marokkos Spieler im Sommer 2022 nach dem Halbfinaleinzug bei der WM in Katar durch die Straßen fuhren, weinten nicht nur die Fans in Rabat. Ganz Afrika feierte, weil zum ersten Mal eine afrikanische Mannschaft die gläserne Decke durchbrochen hatte. Die WM 2026 wird zeigen, ob das ein einmaliger Ausreißer war oder der Beginn einer neuen Ära.
Afrika stellt neun Mannschaften bei dieser WM — ein Rekord. Marokko in Gruppe C ist der klare Bannerträger des Kontinents, aber dahinter lauert eine Reihe von Teams, die nicht unterschätzt werden sollten. Senegal in Gruppe I, der Afrika-Cup-Sieger von 2022, hat eine physisch dominante Mannschaft mit technisch hochbegabten Spielern in den europäischen Topligen. Die Elfenbeinküste in Gruppe E, amtierender Afrika-Cup-Sieger, bringt die Euphorie eines Heimtitels mit und hat in Sébastien Haller und Nicolas Pépé Offensivkräfte, die jeden Gegner beschäftigen werden.
Ägypten in Gruppe G hat seit Jahren eine stabile Mannschaft aufgebaut, die bei Afrika-Cups regelmäßig glänzt, bei Weltmeisterschaften aber noch keinen Durchbruch geschafft hat. Tunesien in Gruppe F ist der klassische afrikanische Kampfgeist — eine Mannschaft, die organisiert verteidigt und auf Konter lauert. Südafrika in Gruppe A, Ghana in Gruppe L und die DR Kongo sowie Algerien in ihren jeweiligen Gruppen vervollständigen das afrikanische Kontingent.
Algerien verdient besondere Aufmerksamkeit, weil die Mannschaft in Österreichs Gruppe J spielt. Les Fennecs, wie das Team genannt wird, haben den Afrika-Cup 2019 gewonnen und gehören zur erweiterten Spitze des afrikanischen Fußballs. Die algerische Mannschaft kombiniert physische Stärke mit technischer Finesse und hat eine leidenschaftliche Fanbasis, die auch in den USA zahlreich vertreten sein wird. Das Duell Algerien gegen Österreich am 28. Juni könnte das entscheidende Spiel um den zweiten Gruppenplatz werden — und es wird kein leichter Gang.
Asiens Vertretung bei der WM 2026 ist so stark wie nie zuvor. Acht Mannschaften — Japan, Südkorea, Australien, Iran, Saudi-Arabien, Irak, Jordanien und Usbekistan — spiegeln den Aufstieg des asiatischen Fußballs wider, der in den letzten Jahrzehnten enorme Fortschritte gemacht hat. Japan ist die Speerspitze: Bei der WM 2022 hat Japan sowohl Deutschland als auch Spanien in der Gruppenphase geschlagen und damit bewiesen, dass es auf Augenhöhe mit den besten Teams Europas konkurrieren kann. In Gruppe F mit den Niederlanden, Tunesien und Schweden wird Japan erneut auf europäische Gegner treffen — und die Quoten zeigen, dass der Markt Japan mittlerweile ernst nimmt.

Südkorea in Gruppe A mit Mexiko ist ein Team, das bei jeder WM für Überraschungen gut ist. Die Erinnerung an 2002, als Südkorea als Gastgeber ins Halbfinale einzog, lebt weiter. Iran in Gruppe G bringt eine fanatische Fußballkultur mit und hat bei der WM 2022 gezeigt, dass es auch unter extremem politischem Druck Leistung abrufen kann. Saudi-Arabien in Gruppe H — die Mannschaft, die bei der WM 2022 im Eröffnungsspiel Argentinien besiegte — wird versuchen, diesen Coup zu wiederholen.
Das große Bild: Afrika und Asien sind nicht mehr die ewigen Underdogs des Weltfußballs. Die Qualität hat zugenommen, die Infrastruktur hat sich verbessert, und die Spieler dieser Kontinente stehen in den stärksten Ligen der Welt unter Vertrag. Bei einer WM mit 48 Teams werden die afrikanischen und asiatischen Mannschaften mehr Einfluss auf den Turnierverlauf haben als je zuvor — und wer sie in seinen Analysen ignoriert, verschenkt Wissen.
Drei Nationen teilen sich die Ehre und die Last, dieses Turnier auszurichten. Und jede geht mit einer völlig anderen Erwartungshaltung ins Turnier — was die Dynamik auf dem Platz direkt beeinflusst.
Die USA in Gruppe D stehen unter dem größten Druck. Für den amerikanischen Fußball ist diese WM eine einmalige Gelegenheit, den Sport im eigenen Land zu etablieren. Die Erinnerung an die WM 1994 — als die USA als Gastgeber das Achtelfinale erreichten und eine Fußballbegeisterung auslösten, die leider nicht von Dauer war — schwebt über allem. Die aktuelle Mannschaft ist die stärkste, die das Land je hervorgebracht hat. Christian Pulisic, Weston McKennie, Tyler Adams und Gio Reyna spielen in europäischen Topligen und bringen Erfahrung auf höchstem Niveau mit. Die Gruppe mit Australien, Paraguay und der Türkei ist machbar, aber nicht geschenkt. Ein frühes Ausscheiden wäre ein Desaster für den amerikanischen Fußballverband und seine Ambitionen, den Sport langfristig im Land zu verankern.
Mexiko eröffnet das Turnier am 11. Juni im Estadio Azteca gegen Südafrika und trägt die historische Bedeutung des Moments: dritte WM im eigenen Land, dritte Eröffnung im Azteca. Die mexikanische Mannschaft hat bei den letzten sieben Weltmeisterschaften stets das Achtelfinale erreicht, aber nie die Runde darüber hinaus — der berüchtigte „Quinto Partido“, das fünfte Spiel, das Mexiko seit 1986 nicht mehr gewinnen konnte. In Gruppe A mit Südkorea, Südafrika und Tschechien sollte der Gruppensieg das Ziel sein. Die Frage ist, ob Mexiko endlich den Fluch des fünften Spiels brechen kann.
Kanada ist der stillste der drei Gastgeber, aber sportlich der ambitionierteste Neuling. Das Land hat sich 2022 erstmals seit 1986 für eine WM qualifiziert — damals eine Sensation — und tritt nun als Gastgeber mit dem Vorteil der heimischen Unterstützung an. Alphonso Davies, der Flügelspieler des FC Bayern München, ist Kanadas größter Star und einer der schnellsten Fußballer der Welt. In Gruppe B mit der Schweiz, Katar und Bosnien-Herzegowina wird es für Kanada schwer, über die Gruppenphase hinauszukommen. Die Schweiz ist der klare Favorit, und Bosnien hat sich mit der Eliminierung Italiens als ernsthafte Kraft etabliert. Aber vor eigenem Publikum im BMO Field in Toronto und im BC Place in Vancouver kann die kanadische Mannschaft über sich hinauswachsen.
Was alle drei Gastgeber verbindet: der Heimvorteil. Bei Weltmeisterschaften haben Gastgeber historisch gesehen überdurchschnittlich gut abgeschnitten. Das liegt nicht nur an der Unterstützung der Fans, sondern auch an der Vertrautheit mit den Bedingungen — Klima, Reiselogistik, Zeitzone. In einem Turnier, das sich über drei Länder und vier Zeitzonen erstreckt, ist dieser Vorteil real. Die USA werden in elf der sechzehn Stadien spielen, und die Chancen stehen gut, dass alle drei Gastgeber die Gruppenphase überstehen. Ob es für mehr reicht, wird die Geschichte zeigen. Aus der Perspektive der Sportwetten gilt: Gastgeber werden in den Quoten tendenziell zu niedrig eingeschätzt, weil der Buchmacher den emotionalen Faktor der Heimfans schwer quantifizieren kann. Die USA als Gruppenerster in Gruppe D zu einer Quote um 1,50 sind fast ein Selbstläufer — aber genau diese Gewissheit kann trügerisch sein, wie die WM 2022 zeigte, als Gastgeber Katar als erste Heimmannschaft in der Geschichte in der Gruppenphase ausschied.
Wenn ich mein eigenes Geld auf eine Mannschaft setzen müsste — nicht auf den wahrscheinlichsten Sieger, sondern auf das beste Verhältnis von Wahrscheinlichkeit zu Quote — dann fällt mein Blick nicht auf die üblichen Verdächtigen. Frankreich, Argentinien und England sind die logischen Favoriten, aber ihre Quoten zwischen 5,00 und 7,00 spiegeln das bereits wider. Der echte Value liegt anderswo.
Spanien zu Quoten zwischen 8,00 und 10,00 ist für mich der interessanteste Favorit. Die junge Mannschaft hat bei der EM 2024 gezeigt, dass sie das Zeug zum Turniersieger hat, aber der Markt scheint die Reifung dieser Generation seit dem Sommer 2024 noch nicht vollständig eingepreist zu haben. Yamal, Pedri, Gavi — diese Spieler sind zwei Jahre älter, zwei Jahre erfahrener und zwei Jahre besser als beim EM-Triumph. Wenn Spanien einen guten Turnierbaum erwischt, sehe ich reale Chancen auf den Titel zu einer Quote, die das Risiko belohnt.
Im Bereich der Geheimfavoriten bieten die Niederlande und Kroatien interessante Quoten. Die Niederlande um 15,00 bis 20,00, Kroatien um 25,00 bis 40,00 — beides Teams, die bei Weltmeisterschaften regelmäßig überperformen und die taktische Qualität mitbringen, um Favoriten zu schlagen. Kroatien als Halbfinalist 2018 und Dritter 2022 hat die WM-Erfahrung, die viele höher eingeschätzte Teams vermissen lassen.
Für österreichische Wetter lohnt sich der Blick auf die Gruppenmärkte. Österreich als Gruppenzweiter in Gruppe J zu einer Quote um 2,50 ist eine Wette, die ich für vertretbar halte. Die Wahrscheinlichkeit liegt meiner Analyse nach bei 35 bis 40 Prozent — der Markt sieht sie bei rund 40 Prozent, was keinen riesigen Value ergibt, aber auch keine Überbewertung darstellt. Interessanter ist die Wette auf Österreichs Weiterkommen (Top 2 oder bester Dritter), die bei manchen Anbietern bei 1,80 bis 2,00 liegt und eine höhere implizite Gewinnwahrscheinlichkeit hat.
Ein Wort der Warnung: Emotionen sind der größte Feind des Wetters. Wer auf das ÖFB-Team wettet, weil er österreichischer Fan ist, trifft keine analytische Entscheidung. Ich liebe dieses Team, ich fiebere mit — aber wenn meine Analyse sagt, dass eine Wette keinen Value hat, lasse ich sie aus. Das ist der Unterschied zwischen Fanliebe und Wettdisziplin. Wer den kompletten Gruppenüberblick studiert, findet Wettgelegenheiten, die über die eigene Fanbasis hinausgehen — und genau dort liegt der Vorteil.
An der WM 2026 nehmen 48 Mannschaften teil, 16 mehr als bei den Weltmeisterschaften 2018 und 2022. Die FIFA beschloss die Erweiterung 2017, um mehr Nationen die Teilnahme zu ermöglichen und den Fußball global zu fördern. Alle sechs Konföderationen erhielten zusätzliche Startplätze, was zu einem diverseren Teilnehmerfeld führt.
Die kürzesten Quoten auf den Turniersieg haben Frankreich, Argentinien und England, gefolgt von Brasilien, Spanien und Deutschland. Frankreich und Argentinien werden von den meisten Buchmachern als Hauptfavoriten geführt, aber Spanien mit seiner jungen Generation und England mit der talentiertesten Mannschaft seit Jahrzehnten gelten als ernstzunehmende Herausforderer.
Gleich mehrere Mannschaften feiern ihr WM-Debüt: Jordanien, Curaçao, Kap Verde und Usbekistan. Dazu kommen Rückkehrer nach jahrzehntelanger Abwesenheit: Die DR Kongo war zuletzt 1974 bei einer WM, der Irak zuletzt 1986 und Haiti zuletzt 1974. Auch Österreich kehrt nach 28 Jahren Pause erstmals seit 1998 auf die WM-Bühne zurück.